Das Dilemma der CEOs

Die 4. Industrielle Revolution und das Thema Digitalisierung sind mittlerweile omnipräsent. Doch was genau ist diese «Digitalisierung»? Was ist anders als früher?

In jeder Fachzeitschrift, auf jeder Veranstaltung sowie in den sozialen Medien finden sich unzählige Berichte und Artikel darüber, die beschreiben, warum sich Unternehmen mit der Digitalisierung auseinandersetzen sollten. Zahlreiche Studien von namhaften Hochschulen, anerkannten Analysten und Beratungshäusern prognostizieren, dass die 4. Industrielle Revolution die Arbeitswelt in allen Branchen in den nächsten Jahren massiv verändern wird. Wahrscheinlich hat vor allem deshalb das Thema Digitalisierung eine hohe Priorität in nahezu jedem Unternehmen. Doch was genau ist diese «Digitalisierung»? Was ist anders als früher? Wie gehen wir an dieses Thema dran? Was genau ist der spezifische Nutzen für unser Unternehmen? Digitalisierung ist nichts Neues und neue Technologien kommen in Wellen. Als Überbegriff der schnell fortschreitenden technologischen Entwicklung begleitet sie uns bereits seit vielen Jahren sowohl im Alltag als auch im Berufsleben. Beispiele des Alltags sind digitale Musik, digitale Fotos und Videos, Nutzung von Social Media wie Facebook, Twitter, Xing sowie ganz allgemein die Nutzung des Internet für z.B. die Suche nach Wissen. In den ersten Technologiewellen hatten Unternehmen viel Zeit, um neue Technologien zu verstehen und diese in ihre Produkte oder Geschäftsprozesse zu integrieren. So hat die Digitalisierung dazu beigetragen, ganze Wertschöpfungsketten von der Bestellung des Kunden über die Produktion, Lagerung, Distribution und Rechnungsstellung bis zur Finanzbuchung zu automatisieren.

Kennzeichen der letzten Welle der Digitalisierung und Teil der 3. Industriellen Revolution war die Nutzung von Software-Tools zur Prozessoptimierung durch zentrale Speicherung und Verarbeitung von Informationen (z.B. ERP-Systeme, CRM-Systeme, eCommerce, etc.). Projekte zur Einführung dieser Software-Tools wie z.B. SAP ERP waren teuer und es hat häufig mehrere Jahre gedauert, bis Mitarbeiter diese Tools nutzen konnten und das eingesetzte Kapital zurückfloss.

Kennzeichen der neuen Welle der Digitalisierung im Vergleich zu den letzten technologischen Wellen ist vor allem, dass die neuen Technologien gleichzeitig kommen, sich exponentiell entwickeln sowie gegenseitig verstärken. Die Zeit, die neuen Technologien wie das «Internet der Dinge», «Künstliche Intelligenz» oder «Blockchain» zu verstehen, in Produkte und Geschäftsprozesse zu integrieren und in die Kundeninteraktion zu optimieren, wird immer kürzer. Da Komplexität und Geschwindigkeit in der Welt 4.0 drastisch ansteigen werden, müssen sich Unternehmen überlegen, wie sie die Transformation von der Welt der 3. Industriellen Revolution in die Welt der 4. Industriellen Revolution – die vielbeschriebene Digitale Transformation – effizient und nachhaltig meistern. Und genau hier zeigt sich das Dilemma, in dem Unternehmenslenker und ihre Digitalisierungsexperten stecken:

Dilemma der Unternehmen

In der Welt 3.0 (3. Industrielle Revolution) war es möglich, als Basis für Effizienzsteigerungsprojekte „Best Practices“ zur Hand zu nehmen oder Expertenberatung in Anspruch zu nehmen. Mittels Kennzahlen und Benchmarking konnten sich Unternehmen gegenseitig vergleichen und daraus Projekte initiieren, um allfällige Gaps zu schließen. In der Welt 4.0 (4. Industrielle Revolution) funktionieren diese Mechanismen nur noch bedingt. Dort gibt es nämlich noch keine vergleichbaren Unternehmen oder Kennzahlen, die man für ein Benchmarking zu Rate ziehen könnte. Unternehmen betreten absolutes Neuland. Wagt also ein Unternehmen den Sprung von der linken S-Kurve zur rechten S-Kurve, kann es sich in den ersten Jahren nur noch mit sich selbst vergleichen und sich fragen: wie sieht die beste Version von mir selbst aus und was muss ich tun, um die beste Version von mir selbst zu werden / zu bleiben? Dies sind Hilfsfragen, die benutzt werden können, um ein neues Zielbild, eine neue Identität für ein Unternehmen zu entwickeln. Weitere wichtige Fragen, die man sich vor allem beim Start der Digitalen Transformation stellen sollte, sind:

  • Wie können wir unser Unternehmen in die Welt 4.0 transformieren, ohne das bestehende Geschäft zu gefährden?
  • Was müssen wir in der Phase der Digitalen Transformation beachten, damit die Veränderung nachhaltig weiterwirkt und wir auf Erfolgskurs bleiben?
  • Wo fangen wir an, um den größten Nutzen für unser Unternehmen zu generieren?
  • Wie gehen wir vor, um unsere Mitarbeiter auf der Digitalen Reise nicht zu verlieren?
  • Was müssen wir tun, um für Mitarbeiter und das Ökosystem als digital attraktiv wahrgenommen werden?

Wir von TEAM-FACTORY (www.team-factory.com) beobachten heute viele kleine und mittelständische Unternehmen, die unter der Flagge «Digitalisierung» Projekte ins Leben rufen. Diese Projekte haben meist das Ziel, mittels Automatisierung (3. Industrielle Revolution) die erste S-Kurve in der Abbildung noch um ein paar Prozente zu verbessern. Sie versuchen, mit bewährter Herangehensweise das letzte Quäntchen aus dem bestehenden System herauszupressen. Stattdessen sollten sie mutig ein kleines heterogenes und interdisziplinäres Team etablieren, das aus internen und externen Experten besteht. Es bekommt die Aufgabe, parallel zum Tagesgeschäft an neuen Themen zu forschen, zu experimentieren und über einen klar definierten Prozess ins Tagesgeschäft einzusteuern.

Größere Unternehmen haben die Skills und Mittel, separate Einheiten zu gründen, Start-Ups als sogenannte «Inkubatoren» zu akquirieren und damit eine «Organisation der 2 Geschwindigkeiten» zu bauen. Die Kunst bei solchen organisatorischen Konzepten ist es auf der einen Seite, Erkenntnisse und Ideen der disruptiven Einheit in das bestehende Geschäft zu integrieren, sowie auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass der Fokus dieser Einheit nicht abdriftet. Das Medienunternehmen Ringier ist ein Paradebeispiel dafür, wie dies in kurzer Zeit gelingen kann. In nur 2 Jahren hat sich das Unternehmen von einem klassischen Medienhaus zu einem technologiegetriebenen, digitalen Medienunternehmen entwickelt. Dies war in dieser kurzen Zeit nur deshalb möglich, da für den Aufbau der Technologieplattform ein neues Team aufgebaut wurde, das selbstorganisiert mit agilen Projektmethoden an der Konzeption und Umsetzung gearbeitet hat. Im Juni 2018 gewann das Team den «Global Media Award» in der Kategorie «Best idea to grow digital readership or engagement», eine weltweit anerkannte Auszeichnung in der Medienbranche.

Eine weitere Kategorie von Unternehmen bewegt sich mit Vollgas in die Welt der neuen Technologien und lancieren erste, vielversprechende Projekte. Häufig bleibt jedoch der erwartete Nutzen aus. Laut einer Studie von Cisco aus dem Jahr 2017, waren nur 26% aller IoT-Projekte erfolgreich. Dies jedoch keineswegs aufgrund nicht ausgereifter Technologien, sondern aufgrund folgender Hauptgründe:

  • Fehlende Kollaboration und Kommunikation zwischen IT und Business
  • Technokratische Kultur, hierarchische Strukturen und nicht agile Vorgehensweisen
  • Fehlende Skills und Know-How im Unternehmen
  • Klassische Zusammenarbeit mit externen Unternehmen (Kunde-Lieferant) anstatt strategische Partnerschaften im Ökosystem

Kein Wunder also, dass Themen wie Agilität & Speed, Kultur-Wandel, Mindset-Shift und «New Ways of Working» auf der Prioritätenliste vieler CEOs ganz oben zu finden sind. Dass etwas getan werden muss, wird mittlerweile nicht mehr diskutiert. Wie Unternehmen allerdings konkret vorgehen sollten und was sie genau tun können, um diese Phase der Digitalen Transformation und damit die Überwindung des Dilemmas zu meistern, darüber herrscht noch große Verunsicherung. Mit dem „Techo-Organisatorischen Modell für die Digitale Transformation“ sowie dem „Kompass für die Digitale Transformation“ haben wir ein ganzheitliches und integratives Vorgehensmodell mit Methoden und Tools entwickelt, welches Unternehmen dabei unterstützt, den Wandel von der 3. in die 4. Industrielle Revolution zu meistern.

Eines ist ganz klar: die Unternehmen, die den Sprung von der linken S-Kurve zur rechten S-Kurve schaffen, werden nicht nur marginal von der Welt 4.0 profitieren, sondern haben die Chance, den Unternehmenserfolg drastisch zu steigern.

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